Forschungsprojekt gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit

19.02.2020|Forschungsnews

Schulungsmaterialien sollen Sozialarbeiterinnen und -arbeitern den professionellen Umgang mit Antisemitismus im Arbeitsalltag erleichtern

Menschenfeindliche Äußerungen und Handlungen gefährden die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Daher fördert das Bundesfamilienministerium mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Projekte, die sich für Demokratie und gegen Menschenfeindlichkeit einsetzen. Eines dieser Projekte ist „Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft“ am Institut Sozialer Wandel und Kohäsionsforschung (IKON) der Hochschule Landshut. Gemäß den Zielen des Bundesprogramms (Demokratie fördern. Vielfalt gestalten. Extremismus vorbeugen.) entwickeln die Forschenden unter Leitung von Prof. Dr. Mihri Özdoğan Handlungskonzepte für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die im Arbeitsalltag mit Antisemitismus in Berührung kommen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert das Projekt, das bis Ende 2024 läuft, mit 718.000 Euro. Die gesamte Projektsumme liegt bei über einer Million Euro.

Prof. Dr. Mihri Özdoğan, Hochschule Landshut
Prof. Dr. Mihri Özdoğan, Projektleiter an der Hochschule Landshut
Foto: Hochschule Landshut

Materialien sollen bundesweit zum Einsatz kommen

„Unser Vorhaben orientiert sich an der Praxis und gilt als Modellprojekt“, erklärt Özdoğan, „das bedeutet, dass die Produkte, die wir entwickeln, später bundesweit angewendet werden und in die Regelstrukturen einfließen sollen.“ Dazu führt das Forschungsteam im ersten Schritt Interviews mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern in ganz Bayern, um den Bedarf und die Kompetenzen zu analysieren. „Wir schauen uns an: Existieren in den Beratungsstellen bereits Leitlinien, Programme oder Schulungsmaterial und wie sind diese beschaffen?“, so Özdoğan. Auf dieser Grundlage erstellen die Forschenden anschließend ein Schulungskonzept, das zum einen den professionellen Umgang mit Antisemitismus im Arbeitsalltag unterstützt und zum andern zeigt, wie die Sozialarbeiterinnen und -arbeiter als Multiplikatoren selbst Wissen im Bereich politischer Bildung vermitteln können. Dazu werden Schulungsunterlagen entwickelt, diese in Workshops erprobt und anschließend für die Bildungsarbeit angeboten.

Lösungen für diskriminierungsfeindliches Leben

Mit dem Programm will das Bundesministerium das Verständnis für Demokratie stärken, allen Menschen ein diskriminierungsfreies Leben ermöglichen und die Entstehung von menschenfeindlichen Phänomenen verhindern oder frühzeitig unterbrechen. Dass das Thema gerade auch für Bayern relevant ist, zeige laut Özdoğan der Koalitionsvertrag der bayerischen Landesregierung: „Hier ist ausdrücklich der Wunsch vermerkt, im Bereich Antisemitismus aktiv sein zu wollen.“ Zudem habe Bayern dringend Bedarf an Strukturen im Bereich politischer Bildung. Während andere Bundesländer mit Projekten im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ stärker vertreten seien, warb Özdoğan in der letzten Förderperiode das erste Projekt in Bayern ein – damals zum Thema antimuslimischer Rassismus.

Über das Projekt „Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft“

Das Projekt „Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft“ läuft bis Ende 2024 und wird am Institut Sozialer Wandel und Kohäsionsforschung (IKON) der Hochschule Landshut durchgeführt. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Mihri Özdoğan. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert das Vorgaben mit 718.000 Euro.

Projekt:Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft
Gesamtprojektleitung:Prof. Dr. Mihri Özdoğan, Hochschule Landshut
Laufzeit:01.01.2020 – 31.12.2024
Programm:Bundesprogramms „Demokratie leben!“
Fördersumme:718.000 Euro
Gesamtprojektsumme:Über 1 Mio Euro
Finanzierung:Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Über die Hochschule Landshut:
Die Hochschule Landshut steht für exzellente Lehre, Weiterbildung und angewandte Forschung. Die sechs Fakultäten Betriebswirtschaft, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen, Informatik, Interdisziplinäre Studien, Maschinenbau und Soziale Arbeit bieten über 50 Studiengänge an. Das Angebot ist klar auf aktuelle und künftige Anforderungen des Arbeitsmarktes ausgerichtet. Die rund 4.600 Studierenden profitieren vom Praxisbezug der Lehre, der individuellen Betreuung und der modernen technischen Ausstattung. Für Forschungseinrichtungen und Unternehmen bietet die Hochschule eine breite Palette an Projektthemen, die von wissenschaftlichen Fachkräften mit bestem Know-how betreut und umgesetzt werden. Rund 120 Professorinnen und Professoren nehmen Aufgaben in Lehre und Forschung wahr.



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